Hotel Alpenhof-Post, Melchtal 
Sommer- und Winterkurort 
im Herzen der Zentralschweiz 
   
   
  Aus vergangenen Tagen des Melchtals
 
 

Schlimme Zeiten in den Waldstätten  
Arnold an der Halden  
Die drei ersten Eidgenossen  
Der Bund im Rütli  
 
 

Schlimme Zeiten in den Waldstätten

Die Bewohner der Länder Uri, Schwyz und Unterwalden am vielarmigen Vierwaldstättersee erlebten im 13. Jahrhundert schlimme Zeiten. Die mächtigen Herren von Habsburg, die auch Herzoge von Österreich, zeitweise sogar deutsche Könige waren, wollten ihnen ihre Freiheiten rauben und sie zu Untertanen machen. Die Urner, Schwyzer und Unterwaldner wehrten sich aber mit aller Kraft gegen die Unterdrückung. Deshalb sandte der Herzog Vögte in ihre Länder. Sie mussten auf festen Burgen wohnen, vom Volk hohe Steuern und Abgaben eintreiben und den kleinsten Ungehorsam hart bestrafen.

 
 

Die wichtigsten und gewalttätigsten Landvögte waren Hermann Gessler, der zu Küssnacht sass und über Schwyz und Uri regierte, und Beringer von Landenberg, der von der Burg Sarnen aus über Unterwalden herrschte. Unterwalden zerfiel in die beiden Teile Nidwalden, das Land an der Engelberger Aa, und Obwalden, das Land an der Sarner Aa.

In ihren kleinen Festungen fühlten sich die Vögte sicher und geborgen, erkannten aber bald, dass ihr Arm nicht weit genug reiche und dass sie allein ihr Vorhaben nicht rasch genug zu Ende führen könnten. Deshalb setzten sie selber noch Untervögte ein.

Gessler schickte einen solchen in das Schloss auf der Insel Schwanau im Lauwerzersee. Landenberg dagegen fand einen treulosen Unterwaldner namens Wolfenschiessen, den er auf der Burg Rotzberg, in der Nähe von Stans, hausen liess.

Jetzt war es um die Ruhe und den Frieden in den Waldstätten geschehen. Die fröhlichen Jauchzer und Jodellieder zu Berg und Tal verstummten. Sorge und Angst erfüllten die Leute.

 
 
 

Arnold an der Halden

Nicht lange sassen die Vögte auf ihren Burgen, als man ihre Faust zu spüren bekam.

In Obwalden, im Melchtal wohnte ein freier Bauer, Heinrich an der Halden. Er war hoch betagt und angesehen im ganzen Land. Er hatte seine Landsleute gemahnt, man solle an den Freiheiten des Volkes nicht rütteln lassen, und hatte auch Verfolgte in Schutz genommen. Deshalb hasste ihn der Landvogt. An der Halden hatte einen Sohn, namens Arnold, der jung und stark, aber noch etwas unbesonnen war. Um eines kleinen Fehlers willen war er beim Vogte verklagt worden. Jetzt war Gelegenheit, ihnen mit einer gesalzenen Strafe den Meister zu zeigen.

Landenberg schickte Knechte ins Melchtal hinauf, die Strafe zu vollziehen. Die zwei schönsten Ochsen des Gutes sollten sie ihnen wegnehmen. Vater und Sohn pflügten eben, als die Knechte erschienen. Frech stellten sich diese vor das Gespann, geboten Halt und fingen an, die Tiere abzulösen. Dazu höhnte einer: «Wenn die Bauern Brot essen wollen, so sollen sie den Pflug selber ziehen!» Da war es genug. Arnold, im Zorn entbrannt, liess seinen Geisselstecken auf die freche Hand des Vogtknechtes niedersausen, dass ihm ein Finger brach. Die Knechte liefen ohne die Ochsen nach Sarnen, Arnold aber floh über die Berge nach Uri hinüber, wo er sich versteckt hielt.

 
  Als die Knechte dem Vogt berichteten, wie sie empfangen worden waren, wurde er wütend und befahl, Arnold gefangen vor ihn zu führen. Da die Knechte ihn aber nicht fanden, schleppten sie den Vater auf die Burg. Ihn fuhr der Vogt hart an: «Auf der Stelle schaffe den Sohn herbei!» An der Halden erklärte: «Ich weiss nicht, wohin mein Sohn geflohen ist; nach der Tat hat er sich entfernt, ohne mir zu sagen, wohin.» «Gut», sagte der Vogt, «so hab ich dich!» liess die Folterknechte kommen, den Greis zu Boden werfen und ihm die Augen ausstechen. Dazu nahm er ihm auch sein Hab und Gut weg. Als die Tat bekannt wurde, zuckte ein Schrei der Entrüstung durchs ganze Land. Alle spürten den Schmerz, den der alte Mann erduldet, allen war er angetan worden.
 
 
 

Die drei ersten Eidgenossen

Einmal ritt Gessler durch das Dorf Steinen im anmutigen Tale des Lauwerzersees.Es stand da am Wege ein stattliches neues Haus, und ein Mann sass davor, den er gar wohl kannte - Werner Stauffacher, der Landammann von Schwyz. Gessler hielt sein Ross an und fragte ihn, wem das neue Haus gehöre. Stauffacher hatte sich erhoben, grüsste ehrerbietig und antwortete klug: «Das Haus gehört nächst Gott meinem König und ist euer und mein Lehen.» Da fuhr Gessler in sehr ungnädigem Tone auf: «Ich bin für den König Regent im Lande und will nicht, dass die Bauern ohne meine Einwilligung Häuser bauen; sie sollen nicht leben, als wenn sie die Herren wären.» - Dann gab er dem Ross die Sporen und ritt davon.

Diese Rede traf Stauffacher hart ins Herz. Zu gut fühlte er, was für eine neue Bedrückung der Vogt im Sinne habe. Er teilte seiner klugen Frau Gertrud mit, wie er dem Vogt begegnet sei und was er nun befürchte. Sie sprach zu ihm: «Lieber Mann, es haben sich viele Leute in den drei Ländern über die Gewalttaten der Vögte zu beklagen. Könnten nicht etliche Männer, die sich trauen dürfen, heimlich beraten, wie der unerträglichen Plagerei ein Ende zu setzen wäre? Du hast in Uri und Unterwalden Freunde; geh, rede mit ihnen! Gott wird euch beistehen.»

Anfang August 1291 fuhr Werner Stauffacher nach Uri hinauf und merkte, wie die Stimmung des Volkes gegen die Vögte war. Das freute ihn, denn so konnte er seine Pläne leichter ausführen. Er ging dann zu seinem Freund Walter Fürst, einem hochachtbaren Mann. Diesem teilte er sein Erlebnis mit Gessler und seine Absichten mit. Walter Fürst stimmte freudig zu und glaubte, dass sich die Unrer wie ein Mann für die Vertreibung der Vögte gewinnen lassen. Dann erzählte er von dem jungen Unterwaldner, den er bei sich verborgen halte. Er sei ein braver Jüngling, auf den man sich verlassen könne. Also zogen sie auch ihn ins Vertrauen. Und dann beschlossen die drei Männer als Vertreter der drei Länder, die ersten Schritte zur Befreiung von den Vögten zu tun. Sie verabredeten, dass jeder von ihnen in seinem Lande zuverlässige Männer werben solle. In einer bestimmten Nacht wollen sie dann auf einer abgelegenen Waldwiese über dem Urnersee zusammenkommen und das weitere Vorgehen beraten. Ein heiliges Versprechen legten die drei Männer einander ab und heissen seither die drei ersten Eidgenossen.

 
 
 
 

Der Bund im Rütli

In aller Heimlichkeit fanden in den drei Ländern Besprechungen statt. Die drei Männer gewannen für ihren Plan viele und treue Anhänger, die Leben und Blut daran wagen wollten. Sie spürten ja, dass es sich so nicht weiter leben liess. Im November 1291, in der Nacht vor Martini, kamen sie auf der Rütlimatte zusammen.

Nach eingebrochener Dunkelheit fuhr Werner Stauffacher mit zehn Genossen von Brunnen aus über den See. Walter Fürst stieg mit seinen Begleitern von Uri her aus den Flühen aufs Rütli hinunter. Arnold an der Halden war mit seinen zehn Männern zuerst eingetroffen.

Sie taten sich zusammen und ratschlagten, wie sie das grosse Werk der Befreiung vollbringen könnten. Sie wussten wohl, was sie unternahmen und was daraus folgen konnte. Trotzdem waren sie keinen Moment unschlüssig. Nur überlegten sie alles mit der grössten Vorsicht und kluger Mässigung. Die Urner und Schwyzer hätten am liebsten sofort zur Tat aufgerufen, aber die Unterwaldner mussten zum Warten mahnen. Sie hatten zwei feste und wohlbewachte Burgen im Land, die sich nicht leicht mit Gewalt erobern liessen. Wenn aber bis zum Neujahrstage zugewartet wurde, konnte es mit List gelingen. Es sei nämlich Brauch, erklärten sie, am Neujahrsmorgen dem Vogte Geschenke zu bringen, und dabei sei es möglich, ins Schloss zu gelangen und die Knechte zu überwältigen. Die Schwyzer und Urner müssten zur gleichen Zeit losschlagen, ihre Burgen brechen und die Vögte verjagen. Durch Höhenfeuer wollen sie einander Kunde vom Gelingen des Werkes geben. Inzwischen müsse jeder leiden, was zu leiden möglich sei, sich still halten und keinen Verdacht erwecken. Dann gelobten die Abgesandten der drei Länder mit einem heiligen Eid, alles zu halten, was sie jetzt vereinbart hatten. Danach nennen sich die Schweizer für alle Zeiten Eidgenossen.

Der Dichter Friedrich Schiller hat es so aufgeschrieben:

«Wir wollen sein ein einzig Volk von Brüdern,
in keiner Not uns trennen und Gefahr.
Wir wollen frei sein, wie die Väter waren,
eher den Tod, als in der Knechtschaft leben!
Wir wollen trauen auf den höchsten Gott
und uns nicht fürchten vor der Macht der Menschen!»

Und als die Männer den Bund geschlossen hatten, kehrten sie still in ihre Heimstätten zurück und rüsteten heimlich auf den Tag der Befreiung. Es ist über keine Zunge gegangen, was im Stillen sich vorbereitete.

 
 
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